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Schlangen gibt es auf der Erde seit Ewigkeiten. Sie entwickelten sich mehr als 100 Millionen Jahre vor dem Menschen und gelten als die erfolgreichste Tierart. Trotz ihrer beschränkten Fortbewegungsmöglichkeiten haben sie es im Laufe der Evolution geschafft, sich an die vielfältigsten Lebensräume anzupassen und somit ihr beständiges Überleben zu sichern. Heute sind ungefähr 2,700 Schlangenarten bekannt.

 

Egyptian wings with snakes

 
ShivaIn vielen Kulturen wird die Schlange angebetet. Sie wird u.a. verehrt als Sinnlichkeits- und Fruchtbarkeitssymbol der Venda in Südafrika, als die große und weise Mutter der Heiler, als verbindende Gottheit von Himmel und Erde in Mexiko. In der Maya-Kultur war der Schöpfer der Erde 'Quetzalcoatl', eine zwei-köpfige, geflügelte Schlange. Für die Hindus sind Schlangen heilig. Der Gott Shiva wird immer mit mindestens einer Kobra dargestellt. Im alten Sumerien und in Alt-Ägypten, unter den australischen Aborigines und vielen afrikanischen Stämmen spielen Schlangen wichtige, mythologische Rollen. Im Alten Testament der Bibel wird Eva im Garten Eden von der Schlange in Versuchung geführt. Zusätzlich wurde während des Exodus aus Ägypten, Moses von Gott beauftragt eine feurige Schlange aus Messing zu schaffen. Als er fertig war, sollte er sie auf einem Pfahl zur Schau stellen, so dass die Menschen, die von Giftschlangen gebissen worden waren, geheilt werden konnten indem sie diese Schlange anschauten. In den Mythen der Teutonen ist Yggdrasil der Baum, der das Universum trägt. Ein Adler sitzt ganz oben auf der Baumkrone und in den grossen Wurzeln des Yggdrasil ist die riesige, kosmische Schlange Nidhogg zu Hause. Thoth, Gott der Weisheit des alten Ägypten, wird verbunden mit einem magischen Stab, der zwei gepaarte Schlangen trägt.

 

CaduceusDie Caduceus (Lateinisch) oder Kerykeion (Griechisch) können bis ins frühe Mesopotamien zurück verfolgt werden. Im Louvre ist eine Gebetsvase ausgestellt die aus der uralten Stadt Lagash um (3,500 v. C.) stammt. Auf der Vase sind zwei Schlangen zu sehen, die sich um einen Stab winden. Eine Inschrift ist dem Gott Ningizzida gewidmet. Der Vater von Ningizzida war Ninazu, Gott der Heilung.

Dieses uralte Symbol der Harmonie, des Gleichgewichts und der Transformation wird in einer Vielzahl von Formen und in den verschiedensten Kulturen der Welt gefunden. Im alten Indien repräsentiert es die "Nadis" und in der griechischen Mythologie ist es der Zauberstab von Hermes.

Das Symbol hier zeigt zwei Schlagen gewunden um einem Stab mit Flügeln. Im indischen Tantra stehen die Schlangen für "Ida" und "Pingala", die sich sinnlich um "Shushumna" ranken. Sie symbolisieren dabei die drei wichtigsten Nadis oder Energiekanäle im menschlichen Körper. Shushumna entspricht dem "canalis centralis" der Wirbelsäule, einem mit Flüssigkeit gefüllten Hohlraum. Links von Shushumna befindet sich Ida, das weibliche Prinzip. Rechts ist Pingala, das männliche Prinzip. Sie stehen in Relation zu den sensorischen und motorischen Nervensträngen, die an der Wirbelsäule entlang laufen. Die beiden Schlangen, obwohl gegensätzlich, befinden sich im perfekten Gleichgewicht. Sie zeugen von Spannung und Respekt, wie sie sich Auge in Auge gegenüber stehen. Sie verkörpern das Einheitsprinzip von weiblich und männlich.

Allerdings ist die Rede hier von einem Idealzustand. Wenn der Energiefluß eines Individuums ausgewogen und stark genug ist, steigt "Kundalini" (die schlafende Schlange) von unten nach oben an Shushumna hoch. Sie strömt durch die sieben Chakras und ermöglicht das Erlangen des höchsten Bewußtseinszustandes, bekannt als "Samadhi" oder Erleuchtung. Die Flügel am Stab ganz oben, symbolisieren dieses Potential. Gleichgewicht und Transzendenz zwischen Erde (die Schlangen von unten nach oben am Stab windend) und Himmel (die Flügel) sind hier angedeutet. Schlangen sind erdgebundene Tiere, die Flügel sollen von einem Adler sein.

Caduceus mit chakras

Caduceus with chakras

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Hermes or MercuryIn Altgriechenland war Hermes der Bote und Herold der Götter. Seine Aufgaben bestanden u.a. darin, Gottesversammlungen auszurufen, Streitigkeiten zu schlichten und Botschaften zwischen Feinden hin und her zu tragen. Nochmals wird Gleichgewicht hiermit angedeutet. Zusätzlich wird Hermes (im Lateinischen als Merkur bekannt) oft als ein schmächtiger, anmutiger Junge dargestellt: jedenfalls männlich, aber mit weiblichen Eigenschaften. Durch die Zusammenkunft von Hermes und Aphrodite (Göttin der Liebe - Venus in Lateinisch) wurde Hermaphroditus gezeugt und geboren, interessanter Weise auf dem Berg namens Ida. Das Kind wurde von den Naiads (Süßwasser-Nymphen) großgezogen. Er/sie war eine androgyne Gottheit und das Wort Hermaphrodismus (Zwittertum) stammt daher. Hermes war auch der Vater von Pan, der halb Mann halb Ziegenbock war. Vielleicht steht er für Einheit zwischen Tier und Mensch.
Noch eine Aufgabe von Hermes war die Seelen der Toten in die Unterwelt zu begleiten; damit stellte er eine Verbindung zwischen Leben und Tod her. Er war auch Gott der Straßen, Beschützer der Reisenden, Gott der Kaufleute, Hirten, der Gewichte und Messungen, Gott der Beredsamkeit, der Athletik und der Diebe. Er war bekannt als ein listiger Gauner.
Hermes' Caduceus war ein magischer Zauberstab, mit der Macht der Transformation. Dem Stab wurde es nachgesagt, daß alles was er berührte, in Gold verwandelt wurde. Es wird erzählt, der quecksilberische Bote habe zwei kämpfende Schlangen mit seinem Stab getrennt, die sich dann den Stab hoch schlängelten und die Schleifen aus früheren Zeiten ersetzten. Dadurch wurde die Caduceus zum Symbol für Streitschlichtung.

 

Hermes

 

 

Es gibt noch eine interessante Geschichte, wo der berühmteste Seher Altgriechenlands, Tiresias vorkommt. Er traf auf zwei Schlangen, die gerade dabei waren sich zu paaren und versuchte sie zu trennen, indem er seinen Stab dazwischen schob. Er wurde so gleich zur Frau verwandelt. Sieben Jahre später, am gleichen Ort sah sie/er die beiden Schlangen noch einmal sich paarend auf dem Boden und wiederholte seine/ihre frühere Aktion. Tiresias wurde zurück zum Mann verwandelt.
Die beiden Schlangen stellten das Prinzip der Einheit und Gleichheit zwischen männlich und weiblich dar, das durch Luc Ciompis Formulierung unterstrichen wird:
”Es kann nichts sein ohne sein Gegenteil, (...) alles was ist, ist nur dank seines Gegen-Teils” („Außenwelt - Innenwelt, die Entstehung von Zeit, Raum und psychischen Strukturen.“ 1988).
Mann und Frau als einander verbindende Einheit zu verstehen, widersprach fast durchgängig menschlich gelebter Geschichte. Ein Ungleichgewicht zu Gunsten des Männlichen dominierte das Verhältnis zwischen ihnen. Männer haben nicht nur dazu tendiert Frauen zu unterdrücken, sondern die Zivilisationen, die von Männern regiert wurden, haben durch die Zeitalter versucht einander und die Große Erdmutter zu beherrschen.

 

Aesculapius staffMöglicherweise symbolisiert der Aeskulapstab dieses Ungleichgewicht. Mit seinem Ursprung in Altgriechenland repräsentiert das Symbol seit langem die Schulmedizin. Eine einzelne Schlange windet sich um einen Stab. Weil das mesopotamische Symbol soviel älter ist, ist es durchaus denkbar, daß der Aeskulapstab aus der Caduceus entstammt. Aesculapius, der um 1,200 v. C. gelebt hat, wird in der Illiad als Arzt beschrieben. Letztendlich wurde er zum Halbgott der Medizin in der griechischen Mythologie. Die Geheimnisse der Heilung wurden durch den Asclepiadae kontrolliert, einen Priester-Ärzte Orden, in dem das Wissen strengstens nur vom Vater zum Sohn weitergegeben würde. Seit damals bis vor kurzem, ist die Schulmedizin ausschließlich von Männern dominiert worden. Das Bild unten, eine römische Statue von Aesculapius, scheint diese patriarchale Sicht zu bestätigen.


Roman statue of Aesculapius

 

Hermes & AsclepiusDas Bild hier, zeigt Hermes links mit seiner Caduceus. Kniend vor ihm ist ein Mann, der offensichtlich den sehr streng aussehenden Aesculapius anfleht. Die Frauen sind nackt, sehen verängstigt aus und klammern sich aneinander. Deutet Aesculapius mit seinem Stab und der einzelnen Schlange, auf die männliche Besitzergreifung der Frauen? Weist das Bild auf den Untergang des Gleichgewichts hin? Wird die Caduceus, klein und fein im Hintergrund gezeichnet, durch den zentral positionierten Knüppel von Aesculapius, ersetzt? Die Frauen sind vielleicht die Töchter von Aesculapius, Meditrine, Hygeia und Panacea, die immer nackt dargestellt werden; aber wer auch immer sie sind, ist die Botschaft klar.
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Es gibt eine interessante Verbindung zwischen Hermes und Aesculapius. Es wird erzählt, daß Apollon wegen Eifersucht seine sterbliche, untreue, schwangere Liebhaberin Coronis tötete. Aber nachdem er die Tat vollzogen hatte, entdeckte Apollon, daß Coronis kurz vor der Entbindung stand. Apollon bat Hermes das Kind zur Welt zu bringen und er tat es, während die Mutter schon auf dem Scheiterhaufen lag. Das Kind war Aesculapius.
Noch eine Geschichte zeigt die Unterdrückung des Weiblichen, durch das Männliche. Es geht um den Sonnengott Apollon und das Orakel von Delphi.
"Als Apollon in Delphingestalt nach Delphi, dem Mittelpunkt der Welt gekommen war, herrschte dort ein weiblicher Drache namens Python. Sie war ein Orakel der Erdgöttin Gaia oder Ge (die Drachin als Symbol des Bewußtseins der Erde). Leider erkannte Apollon dieses Orakel nicht an und tötete die Drachin, um an deren Stelle selbst die delphische Orakelgottheit zu werden. Als Erinnerung an den Drachen Python erwählte der Sonnengott eine Seherin als Dienerin des Orakels und nannte sie Pythia." (Christian Rätsch: Die Steine der Schamanen. S. 116)

 

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Ob durch bewußte oder unbewußte Absicht ist das weibliche Prinzip entfernt worden - das führte zum Ungleichgewicht. Interessant ist hier die Kritik, die oft gegen die moderne Schulmedizin von Befürwortern der alternativen oder komplementären Heilmethoden erhoben wird, daß Ärzte dazu neigen, Symptome eher als den Menschen in seiner Ganzheit zu behandeln. Eine einseitiger, mechanistischer (männlicher) Standpunkt wird häufig vertreten. Nicht nur die Schulmedizin, sondern die Gesellschaft selbst ist aus dem Gleichgewicht. Frauen sind seit Jahrhunderten unterdrückt worden und sind es immer noch in den meisten Kulturen. In alten Zeiten als Heilkundige geschätzt, wurden sehr viele Frauen als Hexen im Mittelalter verfolgt. Sie wurden massenweise gefoltert und vernichtet. Männer veranlaßten die Ausrottung uralter weiblicher Werte und Wissens.

Die Bedeutung des Gleichgewichts und der Harmonie fehlt zum großen Teil in der modernen Medizin. Es herrscht eine Tendenz, die Symptome der Erkrankung mit "Hammermethoden", ohne ausreichende Beachtung der Krankheitsursachen, zu "erschlagen" und in vielen Fällen die Nebenwirkungen der Therapien zu wenig zu beachten. In den meisten alternativen Praktiken von Akupunktur bis Yoga ist Gleichgewicht in erster Linie wichtig. Wenn der Energiefluß eines Individuums außer Gleichgewicht gerät, entstehen Disharmonien und Krankheit. Feinsinnige Behandlungen, die manchmal sogar die Symptome erstmals verstärken, suchen nach Wegen, die das Energiesystem wiederherstellen, beleben und dadurch den Menschen in seiner Ganzheit heilen.
DNA double helix

Hiermit wird auf keinen Fall behauptet, daß die Schulmedizin gänzlich durch alternative Therapien ersetzt werden sollte, aber viel mehr sollte die Wichtigkeit des Gleichgewichts beachtet werden - daß alternative Praktiken die Schulmedizin ergänzen können und daß die Schulmediziner eine ganzheitlichere Sicht annehmen sollten. In der Tat hat die moderne Medizin viele Wunder vollbracht, die Ausrottung der Pocken ist nur ein Beispiel. Andere bemerkenswerte Beispiele sind die Entdeckung der DNS und die Aufschlüsselung der menschlichen Genome.

 

DNADie DNS existiert in jeder organischen Zelle. Sie ist die Landkarte des Lebens auf einer Doppelhelix, nur zehn Atome breit, biochemisch encodiert. Die grundlegende Struktur der DNS ist in allen Lebensformen immer gleich; die riesigen Unterschiede werden festgelegt durch die enthaltene Codierung. In seinem Buch "Die Kosmische Schlange" (1995) beschreibt Jeremy Narby die DNS als eine uralte Biotechnologie, ein Handbuch des organischen Lebens, mit der Fähigkeit ganze Ökosysteme zu schöpfen. Von den höchsten bis zum niedrigsten Organismus.

"Die DNS hat tatsächlich die Form einer langen, einfachen und zugleich doppelten Schlange oder die eines Dochtes aus gewundenem Flachs; sie ist die doppelte Lebenskraft, (...) Wenn die alten Ägypter von einer Doppelschlange sprechen, die Eigenschaften verleiht und der Schlüssel zum Leben ist: Was hätten sie denn sonst meinen können, wenn nicht das, was die Wissenschaftler DNS nennen?"
("Die Kosmische Schlange" S. 114).


Könnte es sein, daß die Caduceus auch eine intuitive Repräsentation der DNS-Doppelhelix ist? Der Molekularbiologe Christopher Wills schreibt:

"Die beiden Stränge der DNS gleichen zwei Schlangen, die einander wie bei einem Paarungsritual umschlingen." (Exons, Introns und Talking Genes, 1991 S. 36).

 

 

 

 

 

 

Alle Formen der Energie, z. B. Strom, Licht, Magnetismus, zeigen sich wellenförmig. Häufig kreisen diese Wellen um sich herum und wiederholen sich rhythmisch. Wie das Energiefeld mittels der Welle transportiert wird, ähnelt den Schwingungen der Schlangenbewegungen. Energie Systeme schwingen mit regelmäßigen Schwankungen und schaffen dabei ihre eigenen kreis- oder spiralförmigen Felder. Windungen und Spiralen werden sowohl in der Naturwissenschaft, als auch in der Mythologie als Mittel verstanden, die verschiedene Energieformen zwischen den Ebenen verwandeln können, - z. B. Radiowellen, Elektromagneten.

Der Mensch ist eine Zusammensetzung aus Zwillingswellen des Wechselstromes, der Lebensenergie; weiblich/männlich, ein/aus, yin/yang, positiv/negativ. Die Lebenskraft ist wie eine gewundene Schnur oder ein Docht in unseren Zwillingsschlangen anwesend.

Ohne Gleichgewicht kann keine echte Weisheit entstehen, weder innerer noch äußerer Frieden herrschen; es kann keine Gleichheit in den Gesellschaften geben. Die Pole, die uns bewegen sind weiblich und männlich. Aus ihrem gegenseitigen Verhältnis resultiert Dynamik. Die Spannung zwischen ihnen ist ein Feld, in dem sich Leben abspielt und neues Leben geschaffen wird.

Die Caduceus ist nur eine der vielen Symbole, die weltweit auffindbar sind, die für Gleichgewicht zwischen den Polen stehen - der Ankh der Altägypter, die Yab-Yum der Tibeter, die Yin-Yang der Chinesen und der Sri Yantra der Inder zählen zu den vielen anderen. Das es in solchen ähnlichen Formen, in jenen diversen Kulturen auftaucht, macht die Caduceus so besonders interessant.


Sri Yantra

Yin-Yang

 

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Bibliographie:

Ciompi, Luc, 1988: Außenwelt - Innenwelt, die Entstehung von Zeit, Raum und psychischen Strukturen. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht.
Mattison, Chris, 1999: Snake. London: Dorling Kindersley Ltd.
Mumford, Dr. Jonn, 1988: Ecstasy Through Tantra. St. Paul, Minnesota: Llewellyn Publications.
Narby, Jeremy, 1995: Le serpent cosmique, l'ADN et les origines du savoir. Geneva: Editions Georg.
Rätsch, Christian, 1997: Die Steine der Schamanen. Munich: Diederichs.
Wills, Christopher 1991: Exons, Introns and Talking Genes: The science behind the Human Genome Project. Oxford: Oxford University Press.